Gewöhnliche Wiederverkäufer gibt es genug. Vor allem solche, die das Instrument so weitergeben, wie es angekauft wurde. Meistens erfahren solche Gitarren lediglich eine oberflächliche Reinigung, um einen optisch guten Eindruck zu vermitteln. Der Knackpunkt ist jedoch: Ob ein Instrument die letzten Jahrzehnte viel gespielt wurde, oder sein Leben größtenteils im Koffer verbrachte - das Holz hat in jedem Fall gearbeitet, die Hardware hat sich gelockert, das Griffbrett hat möglicherweise zu wenig Pflege erfahren, ist ausgetrocknet oder nicht mehr ganz eben. Bundstäbchen stehen seitlich über, haben zu starke Kerben, oder sind mit der Zeit locker geworden und wackeln. Und das sind noch die häufigsten Alterungserscheinungen. Wer ein solches Instrument lediglich vom Staub und grobem Siff befreit, hat möglicherweise ein optisch ansprechendes Resultat in der Hand, doch führen die angesprochenen Problempunkte schnell zu einer bescheidenen Bespielbarkeit und suboptimalen Schwingungsübertragung zwischen Saiten und Holz. Das volle Potential der Gitarre kann sich nicht entfalten und man kommt schnell zu dem Eindruck, dass ein aktuelles, im gleichen Preissegment angesiedeltes Modell, der Marke X, eben so gut wäre.
Warum eigentlich hauptsächlich Japan? Und warum 70er / 80er Jahre Modelle, wenn das doch damals ebenfalls günstige Kopien der Originale waren?

Die Antwort ist: Holz. Die Holzbasis ist tendenziell immer besser, als das, was die aktuelle chinesische, indonesische und auch koreanische Produktion zu bieten hat. Das spürt man in der Resonanz, der Ansprache, und oft sieht man es anhand der Maserung, dass es sich nicht um billiges Grobholz handelt. Die Instrumente sind näher am jeweiligen Original und sucht man beispielsweise eine Strat mit knalligem, straffem Attack, für gute Cleansounds, wird man unter alten Japanerinnen viel schneller fündig, als im China- und Koreasortiment der letzten 20 Jahre.

Ein weiterer, immenser Faktor ist das Alter, sowie der Alterungsprozess. Das Holz hatte 30 - 40 Jahre Zeit auf natürliche Weise zu trocknen und sich einzuschwingen. Das ist ein Vorteil, welchen man nicht künstlich herbeiführen kann, sondern für den man sich bei neueren Instrumenten i.d.R. in höhere Preisgefilde begeben muss.

Darüber hinaus ist die Hardware langlebiger und selbst die günstigsten japanischen Gitarren dieser Periode besitzen eine vollwertige, meistens gut ausgeführte Hochglanzlackierung, welche dem gesamten Instrument eine erwachsene, hochwertigere Haptik verleiht.

Daher liegt der Hauptaspekt bei "Best-Vintage-Guitars" nicht darauf, die niedrigsten Preise oder die größte Auswahl anzubieten, sondern das Beste aus jedem Instrument heraus zu holen und dem Spieler eine Gitarre zu übergeben, welche er nicht erst zum Gitarrenbauer schleppen muss, um sie wieder uneingeschränkt einsatzfähig zu machen. Und dazu muss in die meisten Gitarren und Bässe zunächst einiges an Zeit und Arbeit investiert werden.




Um eine gründliche Reinigung und Prüfung überhaupt erst zu ermöglichen, wird jedes Instrument komplett zerlegt.








Einfache Hardware wandert in ein Lösungsbad. Oberflächen werden, je nach Lackierung, mit entsprechenden Mitteln gereinigt, um sämtliche Verunreinigungen zu entfernen.
Falls nötig, werden kritische Kontaktflächen und Auflagepunkte, wie z.B. Halstaschen, leicht nachbearbeitet und geebnet.





Lackrisse werden kontrolliert, um auszuschließen, dass es sich um tiefergehende Holzrisse handelt. Hierbei wird auch klar zwischen authentischen Alterungs- bzw. Gebrauchsspuren, und Schäden infolge falscher Lagerung und fahrlässiger Behandlung unterschieden. Bei letzterem werden problematische Risse i.d.R. wieder unauffällig versiegelt, auch um unnötige Feuchtigkeit fernzuhalten.






Lackabsplitterungen an Halsrückseiten werden häufig aufgefüllt, wenn diese das Spielgefühl beeinträchtigen. Bei unbekannten Marken öfter, als bei gesuchten Sammlerinstrumenten. Jeder Dong hat seine Story.



Einer der wichtigsten Punkte ist die Bespielbarkeit, denn bei aller Liebe zum Vintage-Vibe - man muss sich auf seinem Instrument wohl fühlen und eine zu hohe Saitenlage, aufgrund abgespielter Bundstäbchen, kann den Spielspaß sehr schnell dämpfen.



So gut wie alle Gitarren und Bässe erhalten daher eine Bundabrichtung, um eine möglichst niedrige Einstellung zu ermöglichen. Den Bundenden wird dabei besonders viel Aufmerksamkeit zuteil. Diese werden stärker abgerundet und entgratet, als es werkseitig der Fall war, damit auch nach vielen weiteren Heizperioden hoffentlich nichts zu kratzen beginnt.
Auch der Sattel spielt bei der finalen Saitenlage eine entscheidende Rolle. Die Kerben werden auf eine optimale Höhe gefeilt und sind mit .009 (meistens auch .010), sowie bei Bässen mit .045 Saitensätzen verwendbar.


Je nach Verschmutzungsgrad wird im nächsten Schritt das Griffbrett, mithilfe einer Klinge, abgerichtet. Dabei wird eine hauchdünne Schicht Holz, mitsamt sämtlichem Schmutz, abgetragen. Das ist oft sinnvoller, als zu versuchen, den Ablagerungen der letzten Jahrzehnte mit diversen Hilfsmitteln beizukommen, und diese so nur weiter in die Maserung zu reiben. Authentische Spielspuren bleiben dabei erhalten, während Holzporen wieder geöffnet werden und wieder fähig sind Pflegeöle aufzunehmen.





Abschließend wird das Griffbrett fein nachgeschliffen, um es glatter zu machen, sowie die Haftung bei Bendings zu minimieren, und natürlich geölt.

Hardwareteile, wie z.B. Mechaniken offener Bauart, werden geschmiert, um sie gängiger zu machen, doch hier muss man ganz klar sagen: Man darf nach über 30 Jahren regelmäßigen Einsatz keinen samtweichen Betrieb, wie am ersten Tag, erwarten. Hier steht der Originalzustand, wie auch bei allen anderen Komponenten, an erster Stelle! Was nicht kaputt ist, wird nicht ersetzt. Etwas Klappern und Rattern gehört zu einem alten Instrument manchmal dazu, sofern es die Funktion nicht beeinträchtigt. Selbiges gilt für Schalter und Potis. Meistens werden Letztere mit Kontaktspray behandelt, doch manchmal muss man dennoch mit leichtem Kratzen rechnen und ggf. selbst einen Austausch vornehmen.

Ist alles fertig und wieder im Instrument vereint, wird eine möglichst niedrige Saitenlage, bei nur leichtem Schnarren eingestellt. Tonabnehmer werden auf den klanglich besten Saitenabstand gebracht. Die Oktavenreinheit wird nur ungefähr eingestellt, da diese bei einem Wechsel auf die Lieblingssaiten sowieso nochmal genau arretiert werden sollte, aber falls Sie damit noch nie zu tun hatten, wird auch das, beim letzten Check, bevor die Gitarre auf die Reise geht, erledigt.

Danke fürs Vorbeischauen!